Coach T.


Jeder braucht mal „Warme Worte“


Ich erinnere mich wie heute an die Worte von meinem Onkel Theo (mittlerweile dürfte er 102 sein): „Homo? Dat is doch ne Krankheit!“

Augenscheinlich ticken Männer und Frauen unterschiedlich bzw. sind völlig inkompatibel. Allerdings ist vielfach zu beobachten, dass Hetero-Frauen mit schwulen Männern befreundet sind. So auch ich. Und ich kann es nur empfehlen, im Grunde genommen finde ich, jede heterosexuelle Frau sollte einen solchen Freund haben, besser mehrere, aber mindestens zwei, falls mal einer krank ist oder im Urlaub.

Warum das so gut klappt liegt auf der Hand: Wenn (Hetero-)Männer mit Frauen reden, denken sie, wenn sie IHR zuhören: „Die spinnt, die Alte.“ sagen aber nichts, weil sie Angst haben, die Frau wird sauer und das war’s dann mit dem *vö ...*

Wenn Frauen miteinander reden, denken sie mitunter auch „die spinnt doch“, sagen aber nichts, weil Frauen ja zusammenhalten müssen. Denn in einem sind sie sich ja dann doch einig: „Männer sind Schweine“ (Mario Barth) oder „Ratten“ (die Ärzte) und überhaupt: „Can’t live with them, can’t shoot them“ - und diese Einigkeit verbindet.

Deshalb ist der schwule Freund der perfekte COACH: Er kann ehrlich sein und frank und frei seine Meinung sagen, da er ja a) nicht mit ihr in die Kiste will und b) auch denkt, dass er nicht mit, aber auch nicht ohne Männer leben kann. Wenn er ihr zuhört, denkt er: „die spinnt, die Alte“ - wie alle anderen, aber ER sagt: „Alte, du spinnst.“ Und so bekommt Madame endlich den so dringend benötigten Gegenwind, der ihr frisch um die Nase weht und den Kopf freibläst.

Ja so ist das, ich sitze da, erzähle meine Sicht der Dinge und „Coach T.“ schüttelt nur mit dem Kopf und haut mir verbal einen nassen kalten Waschlappen ins Gesicht. Von wegen warme Worte! Merkwürdigerweise macht mich das aber gar nicht böse, sondern ich fühle mich frisch und irgendwie gereinigt. Und kann mir eine neue Dose Prosecco aufmachen und die nächste Geschichte erzählen.

Denn lieber Onkel Theo, dat is nämlich nicht die Krankheit, sondern das Heilmittel. Das Heilmittel, dass wir Frauen heutzutage sooooo nötig haben.


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