Donnerstag, 02. Juli 2009, 17:50 Alter: 8 Jahre

Wohnst du schon oder lebst du noch?

 

So hätte der Slogan nämlich eigentlich lauten müssen … aber … der Reihe nach. Wer jemals eine günstige Wohnung im Grünen angeboten bekommt und denkt - die Wohnung ist super, wenn nur das Bad nicht wäre - sollte einfach auf dem Absatz kehrt machen und doch noch mal bei Immobilienscout reinschauen.  

Ich hatte mir das alles gaaaaanz anders vorgestellt. Alles, aber auch ALLES was in dem Bad verbaut und benutzt wird, muss eigenhändig gekauft, gekarrt und in die Wohnung (oder erstmal den Keller) gebracht werden. Was Fliesen wiegen weiß man erst hinterher. Damit der/die Hand-/Heimwerker in Ruhe arbeiten können, muss man auch zwischendurch immer wieder Sachen ranschaffen, damit die sowieso schon viel zu lange dauernde Bauphase nicht noch zusätzlich verlängert wird. Das heißt, ich habe jetzt ein Kundenkonto bei sämtlichen umliegenden Baumärkten. Denn immer, wenn ich gerade das gewünschte Teil ergattert habe (Plastic-fermit, Hahnverlängerung, Röhrensifon, Eckventil, Überwurf-Dichtungs-Lippe-gummi-Ring-dingsbums - setzt hier ein, was ihr wollt) und es freudestrahlend dem Handwerker überreiche, fällt ihm wieder was ein. Oder es ist das falsche und muss umgetauscht werden. Obi hat mir bereits einen Schlüssel nachmachen lassen, damit ich zu jeder Tages- und Nachtzeit reinkomme, ich habe auch extra eine Kassenschulung bekommen, damit ich aus Zeitspargründen meine Ware selbst scannen kann.

Das Gute daran: Ich habe meine Baumarkt-Phobie überwunden. Anfangs ging ich nämlich immer mit einem mulmigen Gefühl dahin, aus Angst, dass, wenn ich nach irgendwelchen unaussprechlichen Spannvorrichtungs-Abschlussprofil-Mörtel-Schnelltrocknungs-Spezial-Schraubendrehern frage, der Mitarbeiter in schallendes Gelächter ausbricht, weil der Handwerker mir einen Streich gespielt hat.

Mir war auch nicht bewusst, dass gegen Ende der Bauphase alles, was man hochgeschleppt hat, auch wieder runtergeschleppt werden muss. Nur in kaputter, dreckiger, und zum Teil pulverisierter Form. Der Staub zieht überall hin, und schafft es sogar durch geschlossene Schranktüren. Und ja - alte, von der Wand abgeklopfte Fliesen wiegen genausoviel wie neue. Man wird beim Schleppen nur dreckiger.

Wer sich die Umzugs-Renovierungs-Phase besonders versüßen möchte - aber das ist wirklich nur für Eingeweihte - beachte bitte folgenden Tipp:

Man besorge sich reichlich von dem (völlig zu Recht!) aussterbenden Bohnerwachs. Bei 30+ °C Grad trage man die Masse großzügig mit der Hand auf das Parkett auf, möglichst wenn sich gerade eine Migräne ankündigt. Da dies nur knieend möglich ist unterstützen nämlich die aufsteigenden Dämpfe den Kopfschmerz. Wenn man es geschafft hat, das ganze Wohnzimmer vollzuschmieren, muss man sich beeilen, durch die Wärme trocknet das Zeug schnell an. Man poliere mit einem alten Baumwolllappen beide Hände benutzend SEHR kräftig und ausgiebig jeden Quadratzentimeter des Bodens. Wer das überlebt, darf danach bauen.

Aber bei aller Mühsal und Plackerei:

Es hat auch Spaß gemacht. In Coach T. und Trömmelsche hatte ich die allerbesten Helfer. Und wir hatten Kaiserwetter! Bei 30 Grad im Schatten ist es ja auch viel lustiger, zu schleppen, zu putzen, zu streichen, abzuschleifen und was sonst noch alles gemacht werden muss. Besonders, wenn man keine Dusche oder Waschbecken hat.

Dumm nur, dass sich Trömmelsche kurz bevor es so richtig losging, beide Ellbogen brach. Soviel zu: „Ich fahre jetzt mit dem Fahrrad zur Arbeit“. Da wrack ich doch lieber ab, fahre mit dem Auto und bleibe gesund! Der Ärmste hat trotzdem alles gegeben. Denn so frustrierend es auch für mich ist: Der ungekrönte Heimwerkerkönig schafft selbst ohne Arme mehr als ich mit zwei ungebrochenen (linken) Händen. Mithilfe seiner absoluten Präzisionsanweisungen strichen Coach T. und ich beispielsweise gestern das Bad - zweimal. Es war zwar etwas eng in dem 3,5 m²-Bad ohne Fenster mit drei Mann, zwei Gips-Armen, einer Leiter, einem Hocker und einem Eimer Farbe - aber wir mussten wenigstens nicht frieren und es schweißt einfach zusammen. Sowas müssten die Firmen mit ihren Mitarbeitern mal machen, die kostenbewusste Alternative zu völlig überteuerten „Incentives“ - und auch viel effektiver!

Wir haben uns zwar ein bisschen geärgert, dass die ganze Aktion dann doch völlig umsonst war, weil das Nikotin der Vormieterin immer wieder durchkam und einfach resistent gegen das Überstreichen ist. Jetzt überlasse ich das Bad einem Malermeister mit Zugang zu hochgiftigen Chemikalien.

Unersetzlich erweist sich ein „Bauleiter“ wie Trömmelsche auch bei Lieferanten. Wenn die Küchenmonteure mal wieder glauben, sie hätten einen lauen Job, zieht man einfach das As Trömmelsche aus dem Ärmel und belehrt sie eines besseren. Hätte ich das nicht getan, würde mein Küchenfenster jetzt nicht mehr aufgehen und ich hätte eine zwar brandneue, aber nicht benutzbare Geschirrspülmaschine - kurz gesagt, ich würde mich abends in den Schlaf weinen oder schon wieder den Newsletter von Immobilienscout abonnieren.

Aber das ist ja glücklicherweise nicht nötig - wie sagt der Rheinländer immer so schön: „et hätt noch immer jod jejange!“

Bild 1: Asiatische Bettelmönche dürfen nicht mehr als 7 Gegenstände besitzen. Wie komm ich jetzt bloß darauf? 

Bild 2: Das war knapp! Um ein Haar wäre das Küchenfenster gar nicht mehr aufgegangen...

Bild 3: Immerhin bin ich der einzige Haushalt in Gnadental mit einem Wasserhahn, aus dem NUR Warmwasser kommt!


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